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WIR WAREN IN BERLIN:

EIN GANZ GEWÖHNLICHER JUDE


JÜDISCHE KULTURTAGE BERLIN 15. - 25. AUGUST 2013


 

BERLINER MORGENPOST


 
VON KLAUS WITZELING
Der Brief bringt Emanuel Goldfarb in Rage. Der Hamburger Journalist soll als ,,Iude zum Anfassen" im Sozialkundeunterricht vor einer Schulklasse auftreten.
Ihn empön der Gedanke, als ,,Exot" und Forschurgsobekt'' für die Erziehung zur Toleranz zu dienen. Initialzündung für einen wütend explosiven, sarkastischen und selbstquälerischen Monolog.
Denn beim Grübeln über einer geharnischten Antwort überfallen Goldfarb Erinnerungen an die Kindheit, an die über der Beschneidungsdebatte zerbrochenen Ehe mit Hanna und seine ,,Flucht in die Orthodoxie".
,,Ein ganz gewöhnlicher Jude" ist der Titel eines Kammerspiels des Schweizers Charles Lewinsky. Bundesweit bekannt wurde 2oos Oliver Hirschbiegels nicht unumstrittene Verfilmung mit Ben Becker.
Dieter Seidel, Gründer und Regisseur des freien Hamburger Theater N.N., adaptierte das Einpersonenstück für seine distanzierte, gleichwohl kritisch und unterhaltsam inszenierte Studie.
,,Wissen Sie, was einen Antisemitend vom Philosemiten unterscheidet? Der Antisemit würgt, der Philosemit umarmt. Und bei beiden bleibt mir die Luft weg", bringt Goldfarb die Widersprüche seines Daseins auf den Punkt.
,,Die Frage, wie Juden hier und heute leben, hat uns hauptsächlich beschäftigt", sagt Seidel. ,,Wir haben Klischees und Plakatives aus dem Text entfernt, ohne dessen zentrale Gedanken und Stoßrichtung zu verändern." Seidel versuchte den Monolog und seinen Schauspieler etwas vom Gewicht des Themas zrr befreien. Er verwendet Lewinskys Text eher als offenes Spielmaterial und gewinnt ihm dadurch Leichtigkeit. Außerdem öffnet er in der Abrechnung Goldfarbs mit sich und seiner Umwelt den Blick auf die Konflikte jeder Glaubensgemeinschaft mit der Gesellschaft und das Zusammenleben mit dem ,,Anderen".
Mit Jan Katzenberger, einem bärtigen Schlaks um die Dreißig, ist Goldfarb eigentlich zu jung besetzt. Doch dadurch
entgeht die Aufführung der Gefahr, in rtlhrseliges Identifikationstheater abzugleiten. Vielmehr nähert sich Katzenberger
(aus der Sicht eines jungen Mannes) der Rolle än, tastet sich in sie hinein - so wie er ,versuchsweise" Gebetsschal und Gebetsriemen anlegt. Ein bewusst offen gehaltener Abend über die Problematik der Erinnerungskultur.
-\,

Inforadio I Programm


Hören:


Kultur. Do 22.08.13 07:55 Uhr

Jüdische Kulturtage: "Ein ganz gewöhnlicher Jude"


 
Der ,,Monolog einer Abrechnung,, stand gestern Abend auf dem programm der jüdischen Kulturtage Berlin. Im Centrum Judaicum ging es dabei um die Identität eines in Dreutschland lebenden Juden. Ute Büsing hat sich "Ein ganz gewöhnlicher Jude" angesehen.
Nein,der"jüdische Mitbürger"vonnebenan möchte er nicht sein. Auch kein Exot, vorgeführt als Forschungsobjekt vor Achtklässlern. Als "Jud zum Anfassen" wird der Hamburger ]ournalist Emanuel Goldfarb von einem Lehrer eingelen in Sozialkunde Anschauungsunterricht zu geben.  Er verwahrt sich gegen die umständliche Anfrage - und gerät in Rage.
 
Der Monolog "Ein ganz gewöhnlicher Jude" trifft ins Herz der in Deutschland von Antisemiten und Philosemiten bestimmten Debatte, die es einfach nicht erlaubt, "ganz gewöhnlich" zu sein. Hilflose Gutmenschen und ihren ihren Betroffenheitsjargon nimmt der schweizer Autor Charles Lewinsky darin ebenso auf die zugespitzte Schippe wie den Grübler Goldfarb selbst, der sich aus Gram über seine an der verhinderten Beeschneidung seines Sohnes zerbrochene Ehe kurzzeitig in die strengen Gebote und Verbote der Orthodoxie flüchtet.
Das Kammerspie lgewinnt in der grandiosen Darstellung von Jan Katzenberger-der mit so um die 30 eigentlich zu jung ist für die Rolle des Sohnes von Holocaust-Überlebenden - an Fahrt. Sinnfällig macht er über x-Tassen stark gesüssten Espressos zwischen Klavier, Sofa und Schreibtisch hin- und herhetzend, deutlich, was die problematische Erinnerungskulturdebatte in einem auslöst, der Betroffenheit nicht mimt, sondern ganz einfach betroffen ist.
Dieses kluge Lehrstück - kraftmeierisch vor acht Jahren mit Ben Becker in der Hauptrolle schon einmal verfilmt - jenem Ben Becker,der heute Abend an der Seite von Giora Feidman an Paul Celan erinnert - passt ins mutige Programm der ]üdischen Kulturtage, das die ganze Bandbreite der Auseinandersetzung um Religiosität, Selbst- und Fremdbestimmung, Anpassung und Widerstand, Vertreibung und Vergessen mit frischen Sichtweisen widerspiegelt. Den offenen Spielabend "Ein ganz gewöhnlicher Jude" des freien Hamburger Theaters N'N könnte man sich auch im ganz gewöhnlichen Programm der Berliner Bühnen gut vorstellen.